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BAHN FREI –  BAFFI KOMMT !


Eines morgens war er da, der große Tag!
Mit Flattern im Bauch starteten wir zu unserer letzten Autofahrt als Zwei-Personen-Familie.
Die Züchterin hatte Baffi richtig schick gemacht. Sie (Baffi) war schön sauber, gestriegelt und gekämmt. Faul räkelte sie sich in der Sonne und blinzelte uns entgegen.
Nun wurde es ernst.
  Die erste Autofahrt ihres Lebens bedeutete für Baffi, und auch für uns, eine Fahrt hinein in einen neuen Lebensabschnitt.
Wir beide machten es uns auf dem Rücksitz des Wagens zwischen Decken und Handtüchern bequem. Baffi lag etwas unsicher neben mir, den Kopf auf meinen Knien. Was mochte wohl in diesem kleinen Köpfchen vorgegangen sein?
Bei dem nächsten schönen Waldstück hielten wir an und packten Baffi aus. Während der Fahrt im Auto hatte sie sich nicht gerührt und geregt. Das Leben kehrte in dem Moment in unser Hündchen zurück, als es den bekannten Waldboden unter seinen weichen Babypfoten zu spüren bekam.
Die unheimliche Rappelkiste war vergessen! Vergnügt hoppelte Baffi den Hügel rauf und wieder runter und versuchte unsere Füße zu erwischen, genauer gesagt, die Schnürsenkel unserer Schuhe. Bald wurde ihrer Fröhlichkeit ein vorläufiges Ende gesetzt. Ohne dass jemand sie nach ihrer Meinung fragte, segelte sie hoch durch die Lüfte und landete wieder in der fremden Höhle. Sie rutschte hin und her, vor und zurück, hüpfte rauf und runter. War das aufregend!!
  Plötzlich hörten die Ruckelei und der ohrenerschütternde Lärm auf.
Wir machten eine kurze Zwischenstation bei dem Haus unserer älteren Familienmitglieder, die es nicht erwarten konnten, den Neuankömmling wenigstens kurz zu besichtigen. Baffi schwebte, auf Händen getragen, ins Freie und setzte nach einem kurzen Flug zur Landung im Garten an.
Dort standen fremde Wesen, die sich, nach einer Schrecksekunde, eindeutig als Angehörige der Rasse „Mensch“ identifizieren ließen. Ihre Stimmen hörten sich ganz nett an, und die Kunst des Hundestreichelns beherrschten sie ebenfalls zufriedenstellend.
Baffi vollführte gerade ein paar Lufthüpferchen auf der Wiese, als sich ein neues Ereignis anbahnte. Ein kleines fremdes Wesen näherte sich langsam auf vier Minipfötchen unserem Hund. Die Identifikation bereitete diesmal mehr Schwierigkeiten. Der Fremdling kam heran,reckte und streckte den Hals so weit es ging und beschnupperte Baffis dicke, schwarze Nase mit einem wirklich winzigen, witzigen rosa Näschen.

Dieses Wesen war kein Mensch, das war schon sicher. Es musste sich wohl um ein armes, ziemlich missratenes Exemplar von einem Hund handeln, das nicht einmal einen hundeähnlichen Duft verströmte.
„Baffi, darf ich vorstellen:“, sagte ich, „Unsere Katze Minka. Minka, das ist unser neuer Hund, Baffi.“
Katze Minka drehte sich langsam und geradezu unverschämt gemächlich um, machte es sich unter einem Busch bequem und ließ ihre Augen betont gelangweilt bis auf einen kleinen Spalt zufallen. D a s  tollpatschige Fellpaket sollte also ein Hund sein?! Da konnte eine würdige ältere Katzendame nur milde lächeln.
Katze Minka brauchte sich gar nicht einzubilden, dass Hund Baffi sie auch nur ein Fünkchen interessanter fand als sie ihn.
Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen hundeseits, die Bekanntschaft zu vertiefen, wandte Baffi sich dem imaginären Schrank mit den vielen Schubladen zu. Kurzerhand wurde Katze Minka von Hund Baffi in die Schublade mit folgender Aufschrift hineingestopft: „Kleines Felltier, ganz nett, aber langweilig“.
Schublade zu! Damit war das Problem für diesen Tag abgehakt.
  Es war an der Zeit, dass Baffi ihr neues Zuhause kennen lernen sollte. Das bedeutete: Alle einsteigen und bereit machen für eine letzte Autofahrt an diesem Tag.
Eine Aufregung löste die vorhergegangene ab.
Baffi hatte ihre ersten Lebenswochen in einem Hundehaus auf Heu und Stroh, Wiese und Waldboden verbracht. Was sie nun unter ihren Pfoten spürte, fühlte sich weder  wie Waldboden an, noch wie Sand, weder wie Heu, noch wie Stroh. Es war grün wie Gras, weich wie Gras, – also musste es Gras sein. Nachdenklich stimmte nur das Ergebnis des Schnuppertests. Es roch gar nicht nach Gras!
Vorsichtig wagte Baffi einige Schritte über den fremden Teppich-Rasen. Eine unbezähmbare Müdigkeit und Erschöpfung überwältigte sie plötzlich, so dass sie in einen tiefen Schlaf fiel.
  Diesen Schlaf nutzte ich, um in der Küche nach dem Futterplan, den ich von der Züchterin erhalten hatte, eine schöne Portion Futter zurechtzumachen. Zusammen mit einem Schälchen Wasser servierte ich diese köstliche Mahlzeit auf dem dafür vorgesehenen Futterplatz in der Küche. „Es ist angerichtet, mein Hund!“
Mein Hund schlief. Und er schlief und schlief!
 

Nach langer Zeit klappten endlich die Äuglein auf, das Schnäuzchen öffnete sich zu einem ausgiebigen Gähnen.
Das spannende Leben durfte mit seinen nächsten Attraktionen aufwarten.
  Also, noch einmal: „Es ist angerichtet, mein Hund.“
Was sollte das denn heißen? Baffi folgte mir willig zur Küche, und die Bedeutung der vorangegangenen Worte erleuchtete sonnenhell.
Das wurde auch höchste Zeit! Der kleine Hundemagen war leer bis auf den Grund. Schnellen Pfötchens wollte Baffi zu ihrem Futternapf eilen.
Nein, wie ging das schief!! Der glatte Küchenfußboden schien aus spiegelblankem Eis zu bestehen! Baffi stand gerade mit ihren vier Pfoten in der Küche, als sie auch schon platt auf dem Bauch lag. Es ging nicht vor und nicht zurück.
Hilfe! Was nun!? Vielleicht funktionierte es mit schwimmen. Bekanntlich haben Hunde keine großen Schwierigkeiten die Technik der Schwimmerei zu erlernen. Baffi ruderte kraftvoll mit den Pfoten. Recht vorangehen wollte es damit jedoch nicht.
Sie hätte Stunden für die Strecke bis zu ihrem Essen gebraucht. Möglicherweise wäre sie ganz auf der Strecke geblieben, weil sie unterwegs der Hungertod ereilt hätte.
Furchtbar!
So ging es nicht weiter! Rasches Handeln war gefordert!
Zuerst rettete ich meinen Hund und brachte ihn zurück ans sichere Ufer.
Baffi fand das nicht komisch, sondern nur noch zum Heulen. Da stand das köstlich duftende, herrliche Fresschen und ließ sich nicht fressen.
In aller Eile suchte ich einen Teppich und rollte ihn vom Flur bis zu Futterplatz aus. Warum wurde das nicht gleich so gemacht? Das soll ein Hund begreifen! Über die sichere Teppich-Brücke erreichte Baffi endlich ihr Futter, das sie mit großem Appetit verspeiste.
Nach dem Essen soll man ruhen. Das befolgte Baffi gewissenhaft bis in die Abendstunden.
  Auf, auf zu neuen Taten!
Die ersten Taten sollten einer genaueren Betrachtung der neuen Umgebung dienen.
Es hätte sogleich mit der Untersuchung begonnen werden können, wenn Baffis Vorhaben nicht von äußeren Eingriffen durchkreuzt worden wären.
Bei diesen neuen Menschen kam ein kleiner Hund zu nichts! Gerade wollte Baffi-Baby sich einmal gründlich in aller Ruhe umschauen, fühlte sie sich schon wieder durch eine Menschenhand ergriffen. Dem Griff folgte die Prozedur der Montage eines Lederbandes um den Hals.
Damit nicht genug der Unannehmlichkeiten. An diesem Lederband wollten die Menschen unbedingt noch einen langen Schwanz aus Leder (genannt: Leine) befestigen, an dem sie sich festhielten.

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