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Dies Ereignis blieb lange in Baffis Erinnerung haften. Es gab keinen Zweifel, dass jedes zukünftig unauffindbare Stock-Schaf nur in der Krone des nächsten Baumes stecken konnte.
  Das beliebte Beutespiel machte draußen besonders viel Spaß. Es war zu ulkig, wenn die, höflich ausgedrückt, leicht unbeholfenen und ein ganz klein wenig lahmen Menschen versuchten, einem blitzgescheiten, blitzartig reagierenden und blitzschnellen Hund die Beute abzujagen.
In ihrer Hilflosigkeit griffen die Menschen wieder einmal zu einem faulen Trick, wobei sie nicht einmal davor zurückschreckten, das große Verantwortungs-
gefühl eines perfekten Hütehundes schamlos auszunutzen.
Der Mensch stoppte unvermittelt in der schönsten Verfolgungsjagd, rannte in eine völlig verkehrte Richtung davon, schmiss sich in das nächstbeste Versteck und wartete ab.
Augenblicklich war Baffi wieder im Dienst! Die fetteste Beute wurde zum Unwichtigsten auf der Welt. Sie flog achtlos davon, und Baffi setzte zum Suchspurt an. Diese Gelegenheit nutzte der zweite Mensch, um seinerseits die Beute zu packen und sich mit ihr davonzumachen.
So eine Gemeinheit! Baffi brauchte nur wenige Sekunden für die Verfolgung des Räubers. Er wurde gestellt und musste seine gestohlene Beute herausrücken!
Fußball war das Größte!!
In einem vergangenen Leben hatte Baffi mit einiger Wahrscheinlichkeit eine große Karriere als berühmter Torwart hinter sich gebracht. Fußball war ihr Leben!
  Näherte sich die gegnerische Mannschaft mit dem Ball gefährlich dem Tor, bewegte das Leder hin und her, um es in einem günstigen Augenblick ins Tor zu schmettern, wurde unser Hund von größter Konzentration ergriffen.
Da stand ein vierbeiniger Torwart, den Oberkörper geduckt, vor Erregung mit den Vorderpfoten trampelnd. Er tänzelte nach rechts, nach links, jede kleinste Bewegung des Balles registrierend.
Gespannt wie ein Flitzebogen! Wie ein Pfeil auf den Ball fliegend, sobald dieser den Fuß des Gegners verlassen hatte.
Jaaaa, das war unser Star! Der Fußball wurde noch in der Luft geschnappt – und wieder kein Tor für die gegnerische Mannschaft!
Nicht die geschicktesten Ablenkungsmanöver aus den feindlichen Reihen, wie Zurufe, kitzeln, Leckerlis, vermochten die Aufmerksamkeit des Champions von dem Leder abzulenken, bis es gefangen war. Dann wurde der Ball lässig, mit einem kleinen Ruck des Kopfes, zurück ins Spielfeld geworfen. Torwart Baffi stand bereit, den nächsten Angriff auf ihr Tor sicher abzuwehren! 
 

Ein besonderes Highlight eines Spaziergangs waren fremde Menschen, die beim Anblick unseres süßen Wuschelhundes in Begeisterung gerieten.
Wenn sie ihre Freude ausdrückten durch wedelnde Gesten mit den Händen, oder sogar schlagen auf ihre Oberschenkel verbunden mit hellen Ausrufen der Entzückung, gab es für Baffi kein Halten mehr.
„Ach neiiin!! Was für ein süüüßer kleiner Teddybär!! Ja, komm doch mal her mein Herzischätzchen!“ Völlig klar, dass so viel Begeisterung angesichts ihrer Person eine junge „Teddydame“ enorm beeindruckte. Sie zögerte nicht, der Aufforderung nachzukommen, um ihrerseits diese netten Menschen zu „be(ein)drucken“, – mit lauter zauberhaften, erdfarbenen Pfötchenabdrücken auf möglichst hellen, eleganten „Sonntagnachmittagsausgehmänteln" oder einem neuen schicken Kleid. Von den Trägern dieser bedruckten Kleidung ging
anschließend entweder ein kurzer Aufschrei des Entsetzens aus, oder es bahnte sich ein gepresstes: „Macht ja nichts“, seinen Weg aus ihrem Munde. Aus unserem Munde drangen zerknirschte Worte der Entschuldigung und Besänftigung: „Das kommt alles wieder in Ordnung, wir sind versichert.“
Letztendlich war es aber wohl Baffis unwiderstehlichem Charme und Ihrem vergnügt wackelnden Stummelschwänzchen zu verdanken, dass wir unsere Haftpflichtversicherung niemals in Anspruch nehmen brauchten.
  Baffis Kontaktfreudigkeit schloss neben fremden menschlichen Wesen auch alle fremden Hundewesen auf dieselbe ungestüme, temperamentvolle Weise mit ein. Die hieraus entstehenden Probleme waren zwar anderer Natur, jedoch nicht weniger kompliziert.
Glaubte Baffi, die unbekannten Hunde durch übergroße Freundlichkeit und eine Begrüßung wie zwischen alten Freunden, die sich ewig nicht gesehen, aber niemals vergessen haben, zum Beitritt in ihre Herde überreden zu können? – Ein weiteres ungelöstes Rätsel! – Es erschien uns als ein Wunder, mindestens als ein großes Glück, dass Baffi, obwohl sie aufdringlich jede Grenze durchbrach, jede Intimsphäre verletzte, keine wirklich bösen Erfahrungen machte.
Vielleicht wurde ihr, als junger Hund, eine gewisse Narrenfreiheit zugestanden, dennoch überraschte mich das Ausmaß an Geduld und Toleranz der Erwachsenen. Es sah so aus, als hätten die fremden Hunde auf einer tiefen, uns verborgenen, Ebene sogar Verständnis gehabt, ür das Verhalten unseres Hundes. Oder war es einer Handlungsunfähigkeit, als Folge der gelungenen Überrumpelungstaktik, zu verdanken, dass sie diese aufdringliche junge Dame nicht in ihre Schranken wiesen?
 

Kleine erwachsene Hunde, sowie Hundekinder, hatten im wahrsten Sinne des Wortes einen besonders schweren Stand. Eine ungestüme Spielaufforderung löste eine Felllawine aus, die über den Kleinen hinwegrollte oder ihn mit sich riss. Nachdem die Lawine ausgerollt war, blitzten zwei Hundeaugen aus ihr hervor, – frech, unternehmungslustig und suchend. Wo war er nur geblieben, der kleine Spielgefährte?
Die Zwergdackelin (weiblicher Zwergdackel) aus unserem Hause versuchte eines Tages den Spieß umzudrehen. Sie nahm gewaltig Anlauf, – dennoch, die Dackellawine erreichte nicht annähernd die erforderliche Größe! Der Versuch einen Bobtail zu überrollen, endete mit einem Ritt auf Baffis Rücken.
  Nach der Vollendung ihres ersten Lebensjahres erlosch Baffis loderndes Interesse an fremden Menschen. Übrig blieb ein zartes Glimmen, das sich in einem kurzen schnuppernden Naseheben in Richtung des Fremden äußerte.
  Ein Jahr später wurde das Vorhaben, unsere kleine Herde durch das Anwerben bekannter und unbekannter Hunde zu vergrößern, endgültig aufgegeben. Schließlich wird auch ein Hund nicht jünger. So bemerkte Baffi, dass sie mit der Betreuung ihrer kleinen Herde und ihres Minirudels bereits ganz ordentlich ausgelastet war. Eine kurze Begrüßung, je nach Situation und Hund, oder auch die völlige Nichtbeachtung rudelfremder Hunde schien zukünftig durchaus angemessen.
Zuweilen ergab sich sogar die Notwendigkeit, ein allzu aufdringliches Hundeexemplar kurz aber kräftig von der Seite anzublaffen. Damit war (meistens) geklärt, dass die Dame Baffi keine weiteren Belästigungen dieses dreisten Banausen wünschte.
Natürlich ließen sich Begegnungen mit richtig fiesen Macho-Typen (meist Typinnen) nicht immer umgehen. Sie zogen ihre Nummer „reißende Bestie“ ab! Das Theaterstück spielte wirklich Kilometer unter Baffis Niveau! Hocherhobenen Hauptes marschierte unser Hund an diesem unwürdigen Exemplar seiner Gattung vorbei, die Strafe der Verachtung vollziehend.
Es hätte natürlich auch eine kluge Taktik sein können, um Streit aus dem Wege zu gehen.
Wer weiß?
  Welcher Mensch beherrscht das Kunststück, die Seele seines geliebten Bobtails bis auf den Grund zu ergründen? Wir schafften es nicht und waren ganz zufrieden damit. So blieb für uns in unserem zauberhaften Baffi-Wesen stets ein feiner Zauber und ein kleines, spannendes Geheimnis verborgen, – oder zwei, – oder drei...
 

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